Wissen als Wirtschaftsfaktor – der Standortwettbewerb entscheidet sich immer stärker im Kampf um kluge Köpfe. Die Dortmunder Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen haben aber auch direkten monetären Einfluss: Die Wirtschaftsförderung geht von Umsatzeffekten in Höhe von jährlich mindestens 1,2 Mrd. € aus.
Das sind die ersten Ergebnisse einer regionalwirtschaftlichen Studie, die Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, gemeinsam mit Prof. Ursula Gather, Rektorin der Technischen Universität (TU) Dortmund, heute (18.06.) vorgestellt hat. Es wurde im Vorlauf zum „Masterplan Wissenschaft“ in Auftrag gegeben und belegt: „Die Bedeutung der Hochschullandschaft und der Einfluss der Wissenschaft auf den Standort wachsen stetig.“
Die Technische Universität Dortmund ist ein bedeutender Standortfaktor für das Dortmund. Dabei profitiert die Region von der Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte ebenso wie von Spitzenleistungen in der Forschung. Ohne die Universität wäre der Strukturwandel in Dortmund heute kaum so weit fortgeschritten.
Allein rund 10.000 direkt Beschäftigte in drei Hochschulen und mehr als 20 wissenschaftlichen Einrichtungen sowie mehr als 35.000 Studierende erzielen erhebliche direkte und indirekte wirtschaftliche Effekte. Durch Konsum und Investitionen rechnet die Wirtschaftsförderung mit Umsatzeffekten in Höhe von mindestens 1,2 Mrd. € pro Jahr. Diese lösen weitere Beschäftigungseffekte aus, die derzeit berechnet werden.
„Gerade in der Wirtschaftskrise hat sich offenbart, wie wichtig Wissen als Wirtschaftsfaktor ist“, betonte Udo Mager. „Bis etwa Mitte der 1960er Jahre zeichnete sich das Ruhrgebiet durch ein europaweit einzigartiges Defizit aus: Eine Region mit knapp sechs Millionen Einwohnern besaß keine einzige Universität. Heute sind hervorragende Wissenschaftseinrichtungen Motor des gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturwandels in Dortmund und Schrittmacher der regionalen Entwicklung.“
Erst 1968 gegründet, ist die TU mit 3.700 Mitarbeitern mittlerweile einer der größten Arbeitgeber und mit 27.000 Studierenden auch die größte Ausbildungsstätte der Stadt. Durch hervorragende Forschungsideen schafft die Universität aber auch selbst neue Arbeitsplätze: Rund 1.100 Beschäftigte arbeiten in Forschungsprojekten, die aus Drittmitteln gefördert werden.
In zwei Fachgebieten zählt die TU Dortmund, gemessen an den Fördermitteln der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), bereits zu den fünf besten Universitäten Deutschlands: In der Produktionstechnologie sowie in den Wirtschaftswissenschaften. Beide profitieren von der Kooperation mit der Fakultät Statistik, die bundesweit einmalig ist. In der Forschung arbeitet die TU nicht nur eng mit den Wissenschaftseinrichtungen vor Ort, sondern auch mit den Unternehmen der Region zusammen.
Dabei dürfe sich eine Universität nicht ausschließlich an regionalen Bedürfnissen ausrichten, betonte Rektorin Prof. Ursula Gather: „Als Universität müssen wir in Forschung und Lehre international wettbewerbsfähig sein. Nur dann bekommen wir die besten Köpfe – und das nutzt der Region am meisten.“
So profitieren Arbeitsmarkt und Unternehmen von den 2.500 hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen, die jährlich ihren Abschluss an der TU Dortmund machen. Rund 60 Prozent der Absolventen bleiben nach dem Studium in der Region, wie eine Befragung des Abschlussjahrgangs 2009 ergab. Einige finden sogar den Weg in die Selbstständigkeit und gründen hier ihr eigenes Unternehmen. Mit Unterstützung des EXIST-Projekts „tu-startup“ soll die Anzahl der Gründungen zukünftig verdoppelt werden, auf 30 pro Jahr.
Hier knüpft auch das dortmund-project der Wirtschaftsförderung an: „In den start2grow-Wettbewerben gab es in den elf Jahren seit Beginn rund 1.100 Teilnehmer mit Business-Plan aus dem Studierendenkreis. Damit kommt knapp ein Drittel aller von start2grow betreuten Gründungswilligen aus dem Hochschulbereich“, erklärt Udo Mager.
Die stetig steigende Anzahl der Studierenden prägt auch das Dortmunder Stadtbild. Entgegen dem Trend im Ruhrgebiet verzeichnete Dortmund 2011 einen Zuwachs an Einwohnern – das liegt auch am Zuzug der Studierenden. Durch den doppelten Abiturjahrgang und die gestiegene Studienneigung werden in den kommenden Jahren noch mehr junge Menschen und Fachkräfte in Dortmund leben, die für das Profil, die Wirtschaft und das Kulturangebot der Stadt förderlich sind.
Neben TU und Fachhochschule machen drei private Fachhochschulen, eine Abteilung der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung NRW und das OrchesterzentrumNRW Dortmund zu einem innovativen Hochschulstandort. Hinzu kommen zwei Fraunhofer-Institute, zwei Leibniz-Institute, ein Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie und eine Bundeseinrichtung (BAUA/DASA) als außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Zahlreiche weitere, zum Teil unternehmensbezogene Forschungseinrichtungen sind sichtbarer Ausdruck einer jungen, motivierten Forschungslandschaft.
All diese Erkenntnisse fließen auch in den Masterplan Wissenschaft ein, so Mager: „Um die Potenziale, aber auch neue Chancen der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Hochschulen und Stadtgesellschaft in Dortmund systematisch zu erfassen und zu bearbeiten, ist der Masterplan Wissenschaft das geeignete Instrument. Ich freue mich über die intensive Beteiligung von rund 100 freiwilligen Mitarbeitern im Prozess sowie die Unterstützung durch die Caspar-Ludwig-Opländer-Stiftung.“